Pressemitteilungen

Hier findet ihr alle Pressemitteilungen:


15.11.2018
…zu der Beteiligung eines Referenten des AStA Universität Mainz an den Vorfällen auf einem Ausflug der Jungen Union (JU) Rheingau Taunus: 

Mit Bestürzung hat Campusgrün Mainz zur Kenntnis genommen, dass ein Referent des AStA für politische Bildung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) an den Vorfällen in der Berliner Kneipe „Zur Quelle“ am 9. November 2018 beteiligt war. Dort hatte die JU Rheingau Taunus einen Tag ihrer Berlin-Reise unter dem Motto „Berlin – Tag und Nacht: Politik, Party und Sightseeing“ beendet. In der Kneipe war es laut mehreren Zeitungsberichten (zuerst Tagesspiegel) zunächst zu homophoben Äußerungen gekommen. Daraufhin begann eine Anwesende, die Gruppe zu filmen. Die Mitglieder der JU sahen sich wohl dadurch veranlasst, das „Westerwald-Lied“ anzustimmen. Das Lied ist vor allem als Wehrmachtslied bekannt und wurde bei den Einmärschen Deutschlands in die Benelux-Staaten, die Niederlande und Frankreich gesungen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Lied in das Gesangsgut der Bundeswehr aufgenommen, allerdings mit dem Hinweis versehen, dass bei dem Lied, als „bekanntestes Wehrmachtslied“, besonders abgewogen werden müsse, ob und wo es von der Bundeswehr gesungen werden solle. Schließlich wurde das Lied 2017 aufgrund verstärkter rechtsextremer Tendenzen in der Bundeswehr aus deren Repertoire gestrichen. Begründet wurde dies damit, dass u.a. dieses Lied als „Ausdruck nationalsozialistischer Überhöhung missbraucht“ wurde. Campusgrün Mainz ist zutiefst entsetzt, dass einige Mitglieder der Jungen Union gerade am 80. Jahrestag der Reichsprogromnacht alte Wehrmachtslieder singen. 

Erinnerungskultur sieht für uns anders aus. Insbesondere in Zeiten, in denen Antisemitismus noch immer ein sehr ernst zunehmendes soziales Phänomen darstellt, wünschen wir uns einen sensibleren Umgang mit ehemaligem Liedgut der Wehrmacht.“ 

Johannes Maurer, Mitglied des Studierendenparlaments und des Senats

In einer Stellungnahme zeigte sich der beteiligte Landesverband der JU zudem vollkommen uneinsichtig und versuchte durch eine weitere Polemisierung der Debatte von eigenem Fehlverhalten abzulenken. Die Tatsache, dass ein Mitglied des AStA Universität Mainz an den Vorfällen beteiligt war, entsetzt dabei umso mehr: Der erst vor kurzem in den Arbeitsbereich für Politische Bildung (Politische Bildung – AStA Universität Mainz) nachgewählte Referent ist vorne links im bisher geteilten Videos des Abends – singend – zu sehen. Die Person ist zwar nach dem Vorfall von ihren Ämtern zurückgetreten, nach unserem Kenntnisstand aber weiterhin Mitglied beim RCDS Mainz. Der AStA Universität Mainz war bei der aktuellen Fragestunde in keinster Weise bereit, gegenüber dem Studierendenparlament am 14.11.2018 Stellung zu beziehen. Es scheint, als sei für den Vorfall intern ein Sprechverbot erlassen worden. 

Dass der AStA und die koalitionstragenden Gruppen sich in bloßem Schweigen üben, ist in Anbetracht des Kontexts solchen Verhaltens einer Studierendenvertretung unwürdig.“ 

Daniela Stubbs, Abgeordnete des Studierendenparlaments

Auch, dass Alexander Puderbach, Mitglied der koalitionstragenden Hochschulgruppe Liberale Hochschulgruppe Mainz – LHG und Mitglied des Senats, ganz unverhohlen auf seiner Facebook-Seite fragt „Seit wann ist das Singen des Liedes ‚Oh, du schöner Westerwald‘ anrüchig? – frage für einen Freud“ zeugt von wenig historischem Bewusstsein. Ob die Tatsache, dass der Post inzwischen gelöscht wurde, von Einsicht zeugt, sei dahingestellt.

Wir fordern den AStA Universität Mainz und dessen tragende Gruppen, Juso-Hochschulgruppe MainzLiberale Hochschulgruppe Mainz – LHG und RCDS Mainz dazu auf, sich zu den Vorfällen und dem Verhalten des Referenten zu äußern und sich zu distanzieren. Wie die jüngste „Mitte“-Studie der Universität Leipzig zeigt, sind Ideologien autoritärer und rechsextremer Natur seit Jahren wieder vermehrt von gesellschaftlicher Relevanz. In diesem Kontext muss ein entsprechendes Verhalten aufgeklärt und die Organe der verfassten Studierendenschaft in die Pflicht genommen werden, ihren Beitrag zu einer pluralen und ressentimentfreien Gesellschaft zu leisten.